Die Stimmen in meinem Kopf - The voices in my head
- 3. Juli
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English Version follow
Ich werde öfter über meine Meinung zur Massenmigration gefragt. Hier sind die Stimmen, die in meinem Kopf kursieren. Die Reihenfolge ist allerdings nicht hierarchisch.
Stimme 1: Wenn ich in einem Land geboren worden wäre, in dem Bomben öfter fallen als Regen, und ich zusehen müsste, wie unsere Ressourcen von anderen Ländern geplündert werden, hätte ich vermutlich Fantasien davon, täglich pünktlich um neun Uhr morgens eine Bombe in einer Bahnstation eines dieser Länder explodieren zu lassen und alle meine Freunde dazu anzustiften, dort alles kaputt zu machen und die Menschen zu terrorisieren.
Stimme 2: Wenn ich die Mutter einer Tochter wäre, die von fünf Männern vergewaltigt worden wäre, würde ich, zumindest in meinen Träumen, diese Typen suchen und, egal ob sie wegen einer psychischen Erkrankung als unzurechnungsfähig eingestuft wurden, und wie schlecht sie von der Regierung oder wem auch immer behandelt wurden, ihnen die Eier abschneiden, braten und sie ihnen als Zwangsdinner servieren.
Stimme 3: Wenn wir weiterhin Länder durch Ausbeutung in tiefe Armut stürzen und sie möglicherweise bewusst im Kriegszustand halten, müssen wir uns nicht wundern, wenn Menschen von dort zu uns kommen. Allerdings: Je mehr es sind, desto grösser wäre theoretisch die Chance, dass wir verstehen, dass wir dort alles vermasseln.
Stimme 4: Wenn ich Gäste in meiner Wohnung aufnehme, achte ich zuerst darauf, dass ich erstens die Kapazität dafür habe – ein Bett, Essen und, wenn nötig, etwas Kleingeld. Ich stelle auch klar, welche Hausregeln bei mir gelten: nach dem Essen abwaschen, den Klodeckel schliessen und nur auf dem Balkon rauchen.
Stimme 5: Wenn meine Gäste sich schlecht benehmen, sich bei mir nicht wohlfühlen oder ich mich mit ihnen nicht wohlfühle – und zwar unabhängig davon, wie traumatisiert sie oder ich sind –, dann muss darüber gesprochen werden. Welche Lösungen es gibt, kann ich nicht pauschal sagen. Aber man darf das Thema nicht unter den Teppich kehren.
In meinem Roman Saruj – Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr beschäftige ich mich ebenfalls mit solchen Fragen. Mir geht es dabei nicht um Patentlösungen, sondern um Denkanstösse. Hier ein kurzer Auszug aus Kapitel 21, „Ich sage ja“.
Kevalam hatte Onyx aufmerksam zugehört, und natürlich hatte er eine Frage. Das Wort Willkommensjahr war ihm noch fremd. Onyx erklärte ihm, dass es, um einer Gemeinschaft beizutreten, den Konsens aller Einwohner bedürfe. Das Willkommensjahr war eingeführt worden, damit die Neuankömmlinge genug Zeit hatten, die Gewohnheiten der Gemeinschaft kennenzulernen. Erst dann würde man in der Lage sein festzustellen, ob es sowohl für den Neuen als auch für die anderen passte. Das Prinzip des Willkommensjahres war sehr verbreitet, wenn auch nicht überall praktiziert und in jeder Gemeinschaft anders gestaltet.
Im E-Berglokali war es so geregelt, dass man erst um ein Willkommensjahr bitten konnte, wenn man mindestens eine Woche Schnupperzeit am Ort verbracht hatte. Anschließend würde man sich, falls ein Gästezimmer für ein Jahr zur Verfügung stand, nach und nach mit Hilfe eines Bewohners als Begleiter mit den Gewohnheiten der Gemeinschaft näher vertraut machen. Am Ende dieser Zeit wurde per Konsens entschieden, ob ein endgültiger Beitritt Zuspruch bekam.
Die Idee eines Willkommensjahres mit einer festen Begleitperson erscheint mir bis heute einen genaueren Blick wert. Nicht unbedingt als universelle Lösung, aber vielleicht lohnt es sich, in diese Richtung weiterzudenken. Saruj - Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr
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I’m often asked what I think about mass migration. These are the voices that circulate in my head. The order is not hierarchical.
Voice 1: If I had been born in a country where bombs fall more often than rain, and had to watch our resources being plundered by other countries, I would probably have fantasies about detonating a bomb every morning at exactly nine o’clock in a train station in one of those countries, and encouraging all my friends to destroy everything they could and terrorise the people living there.
Voice 2: If I were the mother of a daughter who had been raped by five men, I would, at least in my dreams, hunt those bastards down and, no matter whether they were found legally insane or how badly they had been treated by the government or anyone else, cut off their balls, fry them and force them to eat them for dinner.
Voice 3: If we continue to drive countries into extreme poverty through exploitation and possibly even keep them in a permanent state of war, we should not be surprised when people from those countries come to ours. Then again, the more people come, the greater the theoretical chance that we might finally realise just how badly we have messed things up over there.
Voice 4: When I invite guests into my home, the first thing I do is make sure I have the capacity to host them: a bed, food and, if necessary, a bit of pocket money. I also make the house rules clear: wash your dishes after eating, close the toilet lid and smoke only on the balcony.
Voice 5: If my guests behave badly, if they do not feel comfortable in my home or if I do not feel comfortable with them, regardless of how traumatised they or I may be, then we need to talk about it. I cannot say what the right solutions are. But sweeping the issue under the carpet is not one of them.
In my novel Saruj – Imagine there is no more money, I explore these questions as well. My intention is not to offer ready-made solutions, but to invite reflection.
Here is a short excerpt from Chapter 21, I Say Yes.
Kevalam had listened attentively to Onyx and, of course, had a question. The term ‘Reso-Year’ was still foreign to him. She explained to him that joining a community required the consent of all its residents. The Resonance Year had been introduced to give newcomers enough time to familiarise themselves with the community’s customs. Only then would it be possible to determine whether the newcomer and the community truly ‘resonated’ with one another. The principle was widespread, though not systematic, and its implementation varied from community to community.
At the E-Berglocali, it had been agreed that one could only request a Resonance-Year after spending at least one week on site on a trial basis. If, after this test period, a guest room was available for a full year, the newcomer would move in and, from then on, be accompanied by a resident known as an Ally. At the end of the year, a decision would be made by consensus as to whether the newcomer would join for good or not.
The idea of a one-year welcoming period with a dedicated companion still strikes me as worth a closer look. Not necessarily as a universal solution, but perhaps as a direction worth exploring further.

































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